Über mich

Das Bild zeigt Sebel beim sprühen.

Moin Moin, ich bin Sebel. Jahrgang 1978. Wenn ich an meine Anfänge denke, sehe ich zuerst das Dorf, in dem ich groß wurde: lange Wege, viel Leere, und irgendwo dazwischen dieser Drang, Spuren zu hinterlassen. 1997 war das Jahr, in dem alles begann.

Damals waren wir nur ein paar Kids mit Neugier und zu viel Energie. Wir standen an Bushaltestellen, in Unterführungen, irgendwo im Nirgendwo – und übten unsere ersten Tags. Mein Name war „Noron“. Die Busse, die mich nach Hamburg brachten, wurden zu meinen ersten Abenteuern. Wenn ich heute daran denke, sehe ich die beschlagenen Scheiben, das Ruckeln der alten Sitze, das Gefühl, dass die Welt größer ist, als ich dachte.

In Norderstedt trat ich meiner ersten Crew bei. Wir fühlten uns unbesiegbar, bis eine Aktion an der Bahnlinie schiefging. Ich erinnere mich an die kalte Luft, das Adrenalin, die Schritte im Schotter – und daran, wie ich als Einziger geschnappt wurde. Eine Nacht bei der Polizei. Neonlicht, das nicht ausgeht. Viel Zeit zum Nachdenken. Danach wusste ich: Illegal ist nicht mein Weg.

Aber Graffiti verschwindet nicht einfach aus einem Menschen. Es bleibt wie ein Echo.

Über eine weitere Crew, lernte Leute aus Lüneburg kennen, und später traf ich auf weitere Crews. Wir waren viel unterwegs. Wir malten legale Wände, wir zeichneten zusammen, wir lachten viel. Wenn ich an diese Zeit denke, sehe ich Skizzenbücher, die nie ganz sauber waren, Hände voller Farbe und Nächte, die zu schnell vorbei gingen.

Dann kam eine ruhigere Phase. Realschulabschluss, Fachabitur, neue Städte, neue Wohnungen, Ausbildung, Arbeit und Kinder. Das Leben wurde erwachsener. Aber jeden Morgen, wenn ich in der Bahn saß, Kopfhörer auf, Fineliner in der Hand, war da dieses vertraute Gefühl. Zeichnen war mein Anker.

2016 stand ich plötzlich wieder vor einer Wand. Ich weiß noch, wie die Dose in meiner Hand vibrierte, wie ungewohnt sich alles anfühlte. Ich musste neu lernen: Proportionen, Linien, Geduld. Ich war streng mit mir, vielleicht zu streng. Aber genau in dieser Zeit fand ich meinen Stil. Nicht perfekt, aber ehrlich.

Über Facebook fand ich zurück in die Hamburger Szene. Ein alter Kontakt nahm mich mit zur Jam. Ich erinnere mich an die Geräusche der Dosen, das Lachen, die Umarmungen alter Bekannter. Es war, als hätte jemand eine Tür geöffnet, die ich längst vergessen hatte.

Crews bedeuten mir viel. Sie sind nicht nur Buchstaben. Sie sind Geschichten, Menschen, Erinnerungen. Über einen Freund kam ich zur B2B‑Crew, die ursprünglich aus Chicago stammt. Diese Verbindung, diese Historie – das hat mich sofort gepackt.

In den letzten Jahren lernte ich über Instagram und legale Spots viele neue Leute kennen. Ich war auf Jams, arbeitete vielen anderen zusammen. Und ich traf diverse Legenden. Die Hamburger Szene ist klein, aber sie hat Herz.

Dann meldeten sich alte Freund*innen der CSM‑Crew wieder. Eine WhatsApp‑Gruppe, ein Wochenende bei Sher, ein paar gemeinsame Bilder – und plötzlich war klar: CSM lebt wieder. Sher und ich sind seitdem oft zusammen unterwegs. Wenn wir malen, fühlt es sich an, als würde man in einen Rhythmus fallen, den man nie verlernt hat.

Meine bisher letzte Station ist TNS – The North Stars. Reor fragte mich schon lange, ob ich beitreten möchte. Irgendwann war der Moment einfach da. Viele der Mitglieder kenne ich seit Jahren, Sher ist auch dabei. TNS ist alt, gegründet von Reors Bruder, und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.

Das ist meine Geschichte. Oder besser gesagt: der bisherige Teil davon. Graffiti hat mich nie wirklich losgelassen. Es hat mich geformt, begleitet, herausgefordert – und immer wieder zurückgerufen.

Viel Spaß auf meiner Webseite.

Sebel Tag mit den Crewnamen B2B CSM TNS darunter